So leiden Handwerksbetriebe aktuell unter COVID-19

Corona (SARS-CoV-2) hält derzeit die gesamte Welt in Atem – und spaltet die Berufsstände. Kein Tag, an dem nicht neue Verordnungen in Kraft treten, die nicht nur den persönlichen Alltag einschränken, sondern auch das Berufsleben durcheinanderwirbeln und auf eine harte Probe stellen. Homeoffice – ein Wort, das im E-Commerce und in vielen weiteren „Büro-Jobs“ zum täglichen Wortgebrauch zählt, macht derzeit die Runde und hält Einzug in ganz neue Bereiche. Aber was machen die Branchen, die direkt am Kunden arbeiten? Was macht der Elektriker, Mechatroniker, Maurer oder Dachdecker. Auch wenn hier nicht zwangsläufig stetiger Kundenkontakt besteht, so können diese und zahlreiche weitere Berufsgruppen nicht an Homeoffice denken, denn ein Dach deckt sich nicht vom heimischen Schreibtisch aus und auch die Elektroinstallation lässt sich hier allenfalls planen, aber nicht umsetzen. Nachdem das Handwerk im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 3,9 Prozent verzeichnen konnte, trifft die Krise diese Branche nun mit voller Wucht.

Arbeitgeber muss entsprechende Maßnahmen treffen

Neue Vorschriften sind einzuhalten, aber am Ende muss der Handwerker auch seine Arbeit erledigen können. Der Arbeitgeber ist nach dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen, die die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gewährleisten und ihm möglich und zumutbar sind. Er kann Anweisungen geben, um die Ansteckungsgefahr zu verringern: Regelmäßiges gründliches Desinfizieren der Hände z.B.. Die Arbeitnehmer dagegen sind nach dem ArbSchG verpflichtet, jede erhebliche Gefahr unverzüglich zu melden und den arbeitsschutzrechtlichen Weisungen des Chefs nachzukommen. Betriebe können die empfohlenen Schutzvorkehrungen gegen eine Infektionsausbreitung befolgen und auf die Einhaltung von Hygienemaßnahmen bestehen: www.infektionsschutz.de.

Damoklesschwert Kurzarbeit

„Der Arbeitgeber darf in besonderen Situationen, wie z. B. in Notfällen, auch Überstunden anordnen“, sagt das Bundesarbeitsgericht (Az.2 AZR 1162/78). Unter einer „Notlage“ versteht das Gericht eine „ungewöhnliche Gefährdung der Betriebsanlagen, der Waren oder der Arbeitsplätze“ oder „die Gefährdung der termingerechten Abwicklung eines Auftrags“ mit den eben benannten Folgen. Sollte der Arbeitgeber im Fall der Erkrankung vieler Arbeitnehmer den Betrieb nicht aufrechterhalten können, trägt er das Betriebsrisiko. Solange aber keine Krankmeldungen auf dem Tisch liegen, geht der Betrieb zunächst weiter. Aber wie? Stand 18. März sollen Dienstleister und Handwerker ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen dürfen.

Der Kundenkontakt durch Handwerker verringert sich dieser Tage automatisch. Der Grund ist derselbe, aus dem zahlreiche Handwerksunternehmen unter der Corona-Krise so leiden, gar in ihrer Existenz bedroht sind. Aufträge bleiben aus oder werden storniert. Wenn Aufträge storniert werden und Umsätze ausbleiben, können Unternehmerinnen und Unternehmer die Agentur für Arbeit kontaktieren und klären, ob Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht, damit Löhne und Gehälter weitergezahlt werden können. Mehr dazu im Video unter www.arbeitsagentur.de. Dagegen scheint sich das Corona-Virus kaum direkt auf die Arbeit von Handwerkern auszuwirken. „Vor allem kleinere Betriebe, die für das tägliche Leben der Menschen nicht unmittelbar von Bedeutung sind – wie etwa Kosmetikerinnen, Goldschmiede, Frisöre und Fotografen – fragen sich, ob sie weiter arbeiten können. Andere Handwerker wie Dachdecker, Elektriker, Klempner und das Bauhandwerk machen sich kaum Sorgen, sie könnten weiterarbeiten, Aufträge annehmen und abarbeiten. Sie würden sich eher Gedanken darüber machen, ob Kunden Aufträge verschieben“, ist auf ndr.de zu lesen.


Links und Quellen

Handwerksunternehmen und Interessierte finden hier ausführliche und Umfangreiche Informationen:


Gewerke unterschiedlich stark betroffen

Andererseits gibt es auch Gewerke, für die Corona Mehrarbeit bedeutet, etwa die Textilreiniger. „Gerade Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen werden in den kommenden Wochen dringend auf eine ausreichende Versorgung mit desinfizierten Textilien angewiesen sein, um die Ausbreitung des Virus gerade in den Risikogruppen zu verlangsamen“, betont Handwerkspräsident Hand Peter Wollseifer im Handelsblatt. Wichtig sei, dass ihnen wie auch den Gebäudereinigern in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen genügend Desinfektions- und Reinigungsmittel zur Verfügung stünden.

So erschien am 18. März im Haller Kreisblatt ein Aufruf von Medizinern in Richtung von Handwerksbetrieben und Landwirten, etwaige Bestände von Desinfiziermitteln und entsprechenden Utensilien den Arztpraxen zur Verfügung zu stellen – eine Option, die in anderen Regionen scheinbar schon erfolgreich gewesen ist.

Das Portal Handwerk.com hat einen interessanten Bericht über einen Geschäftsführer einen Fliesenleger-Fachbetriebes veröffentlicht: Hier gehts zum Artikel.