Seltene und vergessene Handwerksberufe – Diese Woche: „Büchsenmacher/in“

Um das handwerkliche Geschick zum Beruf zu machen, ist vorab die wohlüberlegte Entscheidung zu treffen, welche Ausbildung im Handwerk für einen selbst die beste ist. Handwerksberufe gibt es viele. Wem die bekannten Handwerksberufe wie Tischler, Maurer, Maler, Elektriker oder Mechaniker zu trist und alltäglich sind, für den können seltene und vergessene Handwerksberufe spannend sein. Wer einen außergewöhnlichen Beruf erlernen möchte, wird hier vielleicht fündig. Für die nächsten Wochen stellt Ihnen „Die Werkstatt“ jede Woche einen seltenen oder vergessenen Handwerksberuf vor.

Seit dem 14. Jahrhundert gibt es Büchsenmacher und Büchsenmeister. Büchsenmacher/innen bauen und reparieren Schusswaffen. Heutzutage werden die Schusswaffen vorwiegend als Sportgewehre für Schießsportarten wie Biathlon, Jagdsport oder Sportschießen maßgefertigt hergestellt. Ohne gute Büchsenmacher und Büchsenmacherinnen hätten die Biathleten des deutschen Skiverbands (DSV) vermutlich die eine oder andere Goldmedaille weniger. Um diese anspruchsvolle Aufgabe zu meistern, ist ein sehr gutes und vielseitiges handwerkliches Geschick und Kenntnisse in naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathe und Physik erforderlich. Um es vorwegzunehmen, Schießen erlernt man in dieser Ausbildung nicht. Neben den vielseitigen handwerklichen Geschicken ist ein hohes Maß an Präzisions- und Verantwortungsbewusstsein wichtig. Mit einer nicht präzise hergestellten Sportwaffe kann der Sportler nicht die Höchstleistung bringen, die im Wettkampf gefordert ist. Zudem können minderwertig hergestellte Sportwaffen die Sicherheit durch unkontrolliertes Auslösen gefährden.

Um hochwertige Sportwaffen bauen zu können, werden in der 3-jährigen Ausbildung Handwerkstechniken für die Verarbeitung von Metall, Holz und Kunststoff ebenso vermittelt wie Fachkenntnisse im Bereich Waffentechnik, Ballistik und Optik als auch Grundlagen des Waffenrechts. Neben der Fertigung von Sportwaffen gehören auch Reparaturen, Verkauf und Beratung zu den Aufgaben eines Büchsenmachers. Wer nach 3 Jahren seine Gesellenprüfung in diesem traditionellen Handwerksberuf erfolgreich abgeschlossen hat, für den bieten sich interessante Karrierechancen. Auch wenn das Berufsbild des Büchsenmachers zunächst altertümlich wirkt, ist es dennoch ein Beruf mit Zukunft. Nach der Gesellenprüfung muss daher die Flinte noch lange nicht ins Korn geworfen werden, denn es bieten sich interessante Weiterbildungsmöglichkeiten. Vom staatlich geprüften Techniker, dem Büchsenmacher-Meister und einem anschließenden Maschinenbaustudium bis hin zur Selbstständigkeit sind erfolgsversprechende Schritte auf der Karriereleiter möglich. Diejenigen, die auch in Zukunft Biathleten und Sportschützen bei Höchstleistungen unterstützen möchten, können detaillierte Informationen bei der Bundesagentur für Arbeit erfahren.