Hufschmied bearbeitet Pferdehuf

Seltene und besondere Handwerksberufe – diese Woche: „Hufbeschlagschmied/in“

An besonderen und außergewöhnlichen Handwerksberufen gibt es mehr, als so mancher glauben mag. In dem Magazin „Die Werkstatt“ wird jede Woche in der Rubrik „seltene und besondere Handwerksberufe“ ein Beruf mit Tradition und Charakter vorgestellt, bei dem handwerkliches Geschick gefragt ist. Diese Woche kann man einen traditionellen Beruf kennenlernen, der das Metallhandwerk und die Tierliebe verbindet.

Das Hufschmiedehandwerk gibt es bereits seit der Antike. Die Hufe von Pferden vor steinigen und harten Böden zu schützen, das ist der Ursprung dieses alten Berufes. Heute ist die Berufsbezeichnung in Deutschland Hufbeschlagschmied/in. Die Hufeisen als Hufschutz, für Pferde anzupassen und zu befestigen, ist die Hauptaufgabe der Hufbeschlagschmiede. Auch die Pflege von Hufen sowie Klauen bei Eseln, Rindern, Schafen oder Maultieren gehört mit zu den Tätigkeiten. Bis vor einigen Jahrzehnten kümmerten sich Hufbeschlagschmiede auch um die Zahnpflege der Tiere, was mittlerweile ausschließlich von Tierärzten übernommen wurde. Im Mittelalter konnte man sich auch als Mensch von Hufschmieden die Zähne ziehen lassen, was dank fortschrittlicher Entwicklung der Zahnheilkunde erfreulicherweise nicht mehr in den Tätigkeitsbereich der Hufschmiede oder Barbiere fällt.

Der Hufbeschlagschmied aus der Brelinger Schmiede

Voraussetzungen für den Beruf zum Hufbeschlagschmied/in sind:

  • Abgeschlossene, fachbezogene Berufsausbildung
  • Handwerkliches Geschick
  • Hohe Affinität zu Pferden
  • Ruhiges Gemüt
  • Körperliche Fitness
  • Genauigkeit

Für die fachgerechte Versorgung der Hufe ist ein geschultes Auge nötig, denn Huf ist nicht gleich Huf. Eine präzise Beurteilung des Hufes ist wichtig, damit dieser ordnungsgemäß geschnitten, gefeilt und beschlagen werden kann. Bei der Vorbereitung des Hufes auf den Beschlag spricht der Hufbeschlagschmied vom Zurichten. Beim Zurichten des Hufes kommen Handwerkzeuge wie Feilen, Raspeln, Hufschneidezangen und Hufmesser zum Einsatz. Mit Hammer und Amboss wird das Hufeisen durch Schmieden passend geformt. Die exakte Anpassung des Hufeisens auf den Huf wird mit Kalt- oder Heißbeschlag durchgeführt. Für die Anpassung per Kaltbeschlag ist das präzise Zurichten des Hufes besonders wichtig, damit das Eisen nachher plan auf dem Huf sitzt. Beim Heißbeschlag wird das Eisen vorher stark erhitzt, um es plan und auf die genaue Hufbreite geformt anzupassen und auf den Huf aufzubrennen. Zuletzt befestigt der Hufbeschlagschmied das Eisen mittels Hufnägeln und Beschlaghammer und bearbeitet die Nägel mit Hufbeschlagzange und Nietzange. Der Hufbeschlag erfordert Präzision und eine geübte Handhabung, insbesondere deshalb, weil man das Handwerk nicht an einem Werkstück ausübt, sondern am lebenden Tier. Ein ruhiges Gemüt und eine große Affinität zu Pferden und Huftieren sind zudem wichtige Eigenschaften, damit der Beruf erfolgreich und verletzungsfrei ausgeführt werden kann.

Die Arbeit des Hufschmieds

Eine Besonderheit bei dem Beruf ist, dass es sich um eine 2 bis 2,5-jährige Weiterbildung handelt und eine fachbezogene, abgeschlossene Berufsausbildung, idealerweise im Metallhandwerk, Voraussetzung für diese Sonderqualifikation ist. Um die Gesundheit der Tiere zu gewährleisten, ist die Ausübung des Berufes nur von geprüften und staatlich zugelassenen Hufbeschlagschmieden erlaubt.

Für die Weiterbildung zum Hufbeschlagschmied ist ein vierwöchiger Einführungslehrgang sowie ein zusätzlicher, viermonatiger Vorbereitungslehrgang an einer staatlich anerkannten Hufbeschlagschule nötig. Weiterhin wird eine mindestens 2-jährige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei einem Hufbeschlagschmied verlangt. Danach kann die Prüfung zum Hufbeschlagschmied/in nach Antragstellung beim jeweiligen Landesamt absolviert werden.

Hat man die Sonderqualifikation zum Hufbeschlagschmied/in erlangt, kann man in Betrieben für Hufbeschlag- und Klauenpflege, Beschlagschmieden als auch in Rennställen und Gestüten Beschäftigung finden. Für die Selbstständigkeit ist eine staatliche Anerkennung nötig. Pferdefreunde mit handwerklichem Geschick können detaillierte Informationen zu diesem traditionellen Beruf auf dem Portal der Bundesagentur für Arbeit oder dem Verband EDVH (Erster Deutscher Hufbeschlagschmiedeverband E.V.) finden.

Weitere seltene und besondere Handwerksberufe:

Büchsenmacher/in
Naturwerksteinmechaniker/in
Uhrmacher/in
Steinmetz/in und Steinbildhauer/in
Metallbildner/in
Forstwirt/in
Stuckateur/in
Flechtwerkgestalter/in
Holzbildhauer/in
Silberschmied/in
Drechlser/in
Edelsteinschleifer/in
Böttcher/in
Metallblasinstrumentenmacher/in

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